Am Montagabend war der ICE 528 von München nach Dortmund unterwegs. Gegen 19.32 Uhr, bei Tempo 200 durch Unterfranken, öffnete sich im hinteren Wagen eine Tür – der Lokführer stoppte den Zug am Tunneleingang bei Karlstadt im Landkreis Main-Spessart. 238 Reisende und acht DB-Mitarbeiter blieben unverletzt, mussten aber stundenlang ausharren, bis der Zug gegen 1 Uhr nachts nach Lohr am Main weiterfuhr. Die Deutsche Bahn und die Bundespolizei schließen eine technische Panne aus; laut DER SPIEGEL wurde die Notentriegelung betätigt. Für alle, die regelmäßig die Fernstrecke zwischen Oberbayern und dem Ruhrgebiet fahren, wirft der Vorfall eine nüchterne Frage auf: Was kostet die gleiche Verbindung im Auto – und wann ist das eine realistische Alternative?
Was der ICE-Vorfall für den Fernverkehr bedeutet
Der Zwischenfall hatte weitreichende Folgen: Die Strecke blieb bis gegen 2.30 Uhr gesperrt, 125 Züge verspäteten sich, die Summe der Verspätungsminuten lag bei 5.826 – mehr als 97 Stunden Wartezeit im gesamten Netz. Wer auf dem ICE 528 saß, verlor einen Abend und einen Großteil der Nacht. Wer am nächsten Morgen in Dortmund oder München sein musste, stand vor der Wahl: Warten auf Ersatzverkehr, umbuchen oder selbst fahren.
ICE und Intercity sind im Fernverkehr nicht im Deutschlandticket enthalten. Ein Ausfall oder massive Verspätung trifft deshalb vor allem Vielfahrer, die Flex- oder Sparpreis-Tickets gebucht haben – nicht Pendler mit Monatsabo im Nahverkehr.
Die Autobahn-Route: 612 Kilometer über A9, A3 und A45
Wer von München nach Dortmund ausweicht, fährt in der Regel über die A 9 Richtung Nürnberg, die A 3 Richtung Frankfurt und die A 45 Richtung Dortmund. Der ADAC Routenplaner nennt für die direkte Strecke rund 612 Kilometer und etwa 6 Stunden 35 Minuten Fahrzeit ohne Verkehrsbehinderungen. Auf deutschen Autobahnen zahlen Pkw keine Maut; Kosten entstehen vor allem durch Kraftstoff, Verschleiß und gegebenenfalls Raststätten-Stopps.
Bei Störungen im Bahnnetz – wie nach dem Karlstadt-Vorfall – kann die Autobahn unter Umständen die schnellere Option sein, wenn der ICE erst nach Mitternacht weiterfährt und Anschlüsse wegfallen. Umgekehrt drohen auf der A 9 und A 3 Baustellen und Staus; wer plant, sollte Verkehrsmeldungen einbeziehen.
Sprit, Strom und Vollkosten im Vergleich
Der ADAC rechnet für die Strecke München–Dortmund bei einem Verbrauch von 7,5 Litern Super pro 100 Kilometer und einem Literpreis von 2 Euro mit Kraftstoffkosten von rund 95 Euro einfache Strecke. Bei aktuellen Preisen um 1,83 Euro je Liter Super E10 (Stand Herbst 2026) liegen die reinen Spritkosten näher bei 85 Euro. Für Elektrofahrzeuge nennt der ADAC bei 27,5 kWh je 100 Kilometer und 0,39 Euro je Kilowattstunde Ladekosten von etwa 67 Euro – vorausgesetzt, geladen wird zu Heimtarif, nicht an teuren Schnellladern an der Autobahn.
Rechnet man die ADAC-Vollkosten von 0,50 Euro je Kilometer für einen Mittelklasse-Pkw ein, entstehen auf 612 Kilometern rund 306 Euro einfache Strecke. Darin stecken neben Kraftstoff auch Versicherung, Kfz-Steuer nach dem KraftStG, Wartung, Reifen und Wertverlust. Wer nur den Literpreis an der Zapfsäule betrachtet, unterschätzt die tatsächliche Belastung deutlich.
Als Gegenpol steht das ICE-Ticket: Sparpreise auf der Relation München–Dortmund beginnen bei etwa 50 Euro, Flex-Tickets liegen eher bei 100 bis 120 Euro und darüber. Allein fahren ist die Bahn bei reiner Ticketbuchung meist günstiger als das Auto mit Vollkosten. Ab zwei mitfahrenden Personen verschiebt sich die Rechnung: Geteilte Spritkosten von 85 Euro ergeben 42,50 Euro pro Kopf – weniger als viele ICE-Fahrkarten.
Dienstreise mit dem eigenen Pkw: Kilometerpauschale
Fährt jemand beruflich und muss wegen eines Bahn-Ausfalls auf den privaten Wagen ausweichen, greift nicht die Entfernungspauschale für den Arbeitsweg, sondern die Kilometerpauschale für dienstliche Auswärtstätigkeiten. Nach § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4a EStG in Verbindung mit dem Bundesreisekostengesetz beträgt der Satz 0,30 Euro je tatsächlich gefahrenem Kilometer – Hin- und Rückfahrt eingeschlossen. Für 612 Kilometer einfache Strecke sind das 183,60 Euro als Werbungskosten beziehungsweise steuerfreie Arbeitgebererstattung; bei Hin- und Rückfahrt 367,20 Euro. Die seit 2026 einheitliche Entfernungspauschale von 0,38 Euro je Kilometer (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG) gilt nur für Wege zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte, nicht für Fernfahrten wie München–Dortmund. Finanztip weist regelmäßig auf diese Unterscheidung hin; verbindlich sind die Regelungen im EStG und die Lohnsteuer-Hinweise des BMF. Zur groben Berechnung eignet sich der Kilometerpauschale-Rechner auf car-diary.net.
Typische Fahrzeuge auf der Strecke und ihre Monatsbelastung
Auf der Fernrelation sieht man vor allem Mittelklasse-Kombis und SUVs – Fahrzeuge, die Langstrecke und Alltag verbinden. Ein VW Passat 2.0 TDI mit realistischen 6,5 Litern Diesel je 100 Kilometer verbraucht auf 612 Kilometern etwa 40 Liter; bei 1,58 Euro je Liter sind das rund 63 Euro Sprit, dazu Kfz-Steuer und Verschleiß. Ein BMW 320i mit 8 Litern Super kommt auf knapp 49 Liter und etwa 90 Euro an der Zapfsäule. Ein Tesla Model 3 mit 16 kWh je 100 Kilometer lädt für die Strecke theoretisch 98 Kilowattstunden nach – bei 0,33 Euro Heimstrom rund 32 Euro, an Ionity-Schnellladern deutlich mehr.
Wer seinen Verbrauch über mehrere Monate kennt, kann besser einschätzen, ob ein spontaner Ausweich auf das Auto finanziell tragbar ist. In CarDiary lassen sich getankte Liter und gefahrene Kilometer für solche Ausweichfahrten neben Tankbelegen und HU-Fristen dokumentieren, sodass die tatsächlichen Kosten sichtbar werden und sich mit Bahnticket-Preisen vergleichen lassen.
Wann das Auto als Plan B sinnvoll ist
Das Auto lohnt sich als Ersatz vor allem, wenn mehrere Personen mitfahren, wenn flexible Abfahrtszeit wichtiger ist als der Preis, oder wenn kein verlässlicher Ersatzverkehr der Bahn zur Verfügung steht. Für Alleinreisende mit früh gebuchtem Sparpreis bleibt der ICE in der Regel die günstigere Wahl – solange er fährt. Nach Vorfällen wie dem bei Karlstadt zeigt sich: Beide Verkehrsträger haben eigene Risikoprofile; wer beide Optionen kennt, trifft im Störungsfall schneller die richtige Entscheidung.
Für die laufende Kfz-Steuer und anstehende HU-Termine lohnt ein Blick auf den Kfz-Steuer-Rechner und den HU-Fristen-Rechner von CarDiary – unabhängig davon, ob die nächste Fahrt mit ICE oder eigenem Wagen geplant ist.