Auf TikTok und Instagram sitzen derzeit wieder Menschen auf dem Boden, schalten imaginär einen Gang ein und rutschen aus dem Bild, sobald im Song die Zeile „I woke up in a new Bugatti“ ertönt. Die Bugatti Challenge ist Comedy – kein Führerschein, kein Lenkrad, oft nicht einmal ein echter Sitz. Dahinter steht aber eine echte Marke mit Modellen, die in Deutschland nur in einstelliger Stückzahl auf der Straße stehen.
Welche Bugatti-Modelle die Challenge meint – und welche nicht
Der Trend spielt mit dem Song „Bugatti“ von Ace Hood aus dem Jahr 2013. Gemeint ist die Fantasie eines Neuwagens der französischen Marke Bugatti – nicht ein konkretes Modell aus dem Clip. In der Realität laufen derzeit drei Generationen parallel aus: der abgeschlossene Chiron mit 8,0-Liter-W16 und bis zu 1.500 PS, die letzten Exemplare Bolide (rennstreckenorientiert) und W16 Mistral (offen), sowie der Nachfolger Tourbillon mit neuem 8,3-Liter-V16 und Plug-in-Hybridantrieb (1.800 PS Systemleistung). In München betreibt Bugatti einen Showroom; ausgeliefert werden die Fahrzeuge aus Molsheim in Frankreich.
Anschaffung: ab 2,5 Millionen Euro netto – Tourbillon deutlich darüber
Ein Bugatti Chiron lag laut Branchenangaben bei rund 2,5 bis 3 Millionen Euro netto, Sondermodelle wie Divo oder Centodieci kosteten deutlich mehr. Der Tourbillon startet laut Hersteller und Fachpresse bei etwa 3,8 Millionen Euro netto, in Deutschland sind das mindestens 4,5 Millionen Euro brutto – ohne Individualisierung. Eine veröffentlichte Preisliste für Sonderausstattungen zeigt schnell Aufschläge von mehreren hunderttausend Euro; voll konfigurierte Exemplare liegen jenseits von 5 Millionen Euro. Hinzu kommen Einfuhrumsatzsteuer, Transport, Zulassung und oft ein Gutachten für die Versicherung. Die 250 Tourbillon-Bauplätze waren laut Bugatti bereits vor der öffentlichen Präsentation vergeben.
Kfz-Steuer nach KraftStG: Hubraum und CO₂ statt PS
Wer ein Bugatti in Deutschland zulässt, zahlt reguläre Kraftfahrzeugsteuer nach dem Kraftfahrzeugsteuergesetz (KraftStG). Entscheidend sind Hubraum (Feld P.1 der Zulassungsbescheinigung) und CO₂-Wert (Feld V.7), nicht die PS-Angabe. Für einen Chiron mit 7.993 cm³ Hubraum und etwa 506 bis 572 g/km CO₂ (WLTP, je nach Variante) ergibt sich allein der hubraumbezogene Teil: 80 mal 2 Euro = 160 Euro pro Jahr. Dazu kommt bei Erstzulassung zwischen Juli 2009 und Dezember 2020 der CO₂-Zuschlag von 2 Euro je Gramm – beim Chiron Super Sport sind das rund 487 g/km, also etwa 974 Euro, insgesamt über 1.100 Euro jährlich. Der Tourbillon mit 8,3 Liter Hubraum dürfte ähnlich oder höher liegen, sobald die Typgenehmigung vorliegt. Elektro-Befreiung nach § 3d KraftStG greift hier nicht. Details erläutert das Bundeszollamt; für den eigenen Alltags-Pkw lässt sich der Betrag im Kfz-Steuer-Rechner von CarDiary vorab durchrechnen.
Sprit: Super Plus, 100-Liter-Tank und WLTP-Werte jenseits 20 l/100 km
Der Chiron tankt laut ADAC Super Plus; der kombinierte WLTP-Verbrauch liegt bei 22,3 bis 25,2 l/100 km, der Tank fasst 100 Liter. Bei 2,00 Euro pro Liter und 3.000 Kilometern Jahresleistung – für Sammler oft schon viel – sind das allein 1.340 bis 1.500 Euro Kraftstoff. Wer die volle Leistung auf Teststrecken nutzt, verbraucht laut Herstellerangaben in der Hochphase deutlich über 40 l/100 km. Der Tourbillon kann laut Bugatti mehr als 60 km rein elektrisch fahren; offizielle Verbrauchswerte fehlen noch, weil die Gesamtbetriebserlaubnis aussteht.
Versicherung, Reifen und Service: fünfstellig pro Jahr
Standard-Kfz-Versicherungen decken Bugatti-Fahrzeuge praktisch nicht ab. Spezialmakler kalkulieren individuelle Vollkasko-Policen mit vereinbartem Fahrzeugwert (Agreed Value), oft ohne Schadenfreiheitsklassen. Branchenbeispiele nennen für einen Chiron etwa 8.000 bis 28.000 Euro Jahresbeitrag, für limitierte Modelle deutlich mehr – abhängig von Kilometerleistung, Garage, Fahrerkreis und Selbstbeteiligung. Ein Satz Reifen kostet mehrere tausend Euro und hält bei sportiver Nutzung nur wenige tausend Kilometer. Werkservice und Inspektionen liegen ebenfalls im vier- bis fünfstelligen Bereich. Viele Halter fahren Saisonkennzeichen und unter 5.000 km pro Jahr.
Wie selten Bugatti auf deutschen Kennzeichen steht
Im bundesweiten Fahrzeugbestand ist Bugatti statistisch unsichtbar: Auswertungen der KBA-Bestandsdaten nennen für die Marke nur etwa ein bis zwei Dutzend zugelassene Fahrzeuge bundesweit, Neuzulassungen pro Monat oft null. Zum Vergleich: Allein im September 2025 wurden in Deutschland mehr als 235.000 Pkw neu zugelassen – davon entfielen rund 45.500 auf batterieelektrische Autos (KBA-Pressemitteilung). Ein TikTok-Video auf dem Wohnzimmerboden und ein Bugatti in der Einfahrt trennen also Welten – technisch, steuerlich und finanziell.