Beim Großen Preis von Italien am Autodromo Nazionale di Monza stand Ferrari nicht nur wegen des Rennens im Mittelpunkt. Die Scuderia würdigte Michael Schumacher mit einer Sonderlackierung am SF-26, die an den Ferrari F310 aus dem Jahr 1996 erinnert – dem Auto, mit dem der Rekordweltmeister vor 30 Jahren seinen ersten Sieg in Monza für Maranello feierte. Lewis Hamilton und Charles Leclerc fuhren in Anzügen im Stil jener Ära, historische Boliden wie der F310 und der F2002 rollten über die Strecke, und auch Ralf Schumacher war als Sky-Experte vor Ort – trotz seiner jüngsten Schulterverletzung bei Stefan Raabs Jetski-Star-WM. Für viele Zuschauer war das der Moment, in dem die Formel-1-Legende wieder greifbar wurde. Wer danach über einen Ferrari auf der Straße nachdenkt, sollte aber wissen: Der rote Traum beginnt nicht am Startgitter, sondern bei Versicherung, Kraftstoff und Werkstatt.
Vom F310 zum SF-26: Was die Legende technisch bedeutet
Der Ferrari F310 aus Schumachers erster Saison bei Ferrari war ein Wendepunkt. Der Wagen mit 3,0-Liter-V10-Motor und rund 550 PS war zwar nicht so dominant wie spätere Modelle wie der F2002, brachte Schumacher aber 1996 drei Grand-Prix-Siege – darunter eben jenen in Monza. Der aktuelle SF-26 ist ein ganz anderes Fahrzeug: Hybrid-Antrieb, Aerodynamik nach aktueller Formel-1-Reglementierung und Materialien, die kein Straßenauto je bräuchte. Die Sonderlackierung mit weißen Flügeln, goldenen Felgen und dem MS-Logo auf der Motorenabdeckung ist reine Hommage. Sie zeigt, wie eng Maranello Rennstrecke und Straßenwagen verbindet – auch wenn ein 296 GTB oder ein Roma niemals 350 km/h fahren dürfen.
Welche Straßen-Ferraris heute an die Marke erinnern
Wer Schumachers Ferrari-Zeit auf der Straße nachempfinden will, hat mehrere Wege – mit sehr unterschiedlichen Preisschildern:
- Ferrari 296 GTB (ab ca. 320.000 Euro): Mittelmotor, V6-Biturbo plus Plug-in-Hybrid, bis zu 830 PS. Technisch der modernste Nachfolger der Mittelmotor-Linie, die mit dem F355 und später dem F430 Millionen begeisterte.
- Ferrari Roma (ab ca. 230.000 Euro): Frontmotor-Coupé mit 620 PS, komfortabler im Alltag, aber weiterhin ein echter Ferrari mit hohen Unterhaltskosten.
- Gebrauchter Ferrari 458 Italia oder 488 GTB (ca. 150.000 bis 220.000 Euro): Für viele der realistischste Einstieg. Atmosphärischer V8, klassisches Ferrari-Feeling – allerdings ohne Garantie und oft mit teurer Vorgeschichte.
- Ferrari F430 oder 360 Modena (ca. 80.000 bis 130.000 Euro): Der günstigste Weg ins Prancing Horse, aber hier schlagen Wartungsstau und Verschleißteile besonders hart zu.
Ein Formel-1-Auto kostet pro Saison Millionen. Ein Straßen-Ferrari wirkt im Showroom vergleichsweise erschwinglich – bis die laufenden Kosten kommen.
Kraftstoff: Rekordpreise treffen V8 und V6 gleichermaßen
Super E10 kostete Mitte September 2026 bundesweit im Tagesdurchschnitt rund 2,30 Euro pro Liter – laut ADAC der vierte Rekordwert in Folge. Für Ferrari-Fahrer ist das spürbar, denn der offizielle WLTP-Wert eines 296 GTB liegt bei 8,3 Litern auf 100 Kilometern; in der Praxis sind 12 bis 16 Liter bei sportlicher Fahrweise realistisch, bei V8-Modellen wie dem 488 GTB eher 14 bis 18 Liter.
Beispielrechnung für 5.000 Kilometer pro Jahr mit einem Verbrauch von 14 Litern und Super E10 zu 2,30 Euro: Das sind 700 Liter und damit rund 1.610 Euro Kraftstoff – allein für ein Hobby-Fahrzeug mit wenig Laufleistung. Wer 10.000 Kilometer fährt, verdoppelt sich der Betrag. Bei Diesel-Preisen um 2,42 Euro pro Liter zahlt man als Ferrari-Besitzer zwar Benzin, profitiert aber nicht vom günstigeren Kraftstoff – im Gegenteil: Viele Ferrari verlangen Super Plus, das noch teurer ist.
KFZ-Steuer nach KraftStG: Hubraum plus CO₂
Die Kraftfahrzeugsteuer für Personenkraftwagen berechnet sich nach dem § 9 KraftStG. Für ab 1. Januar 2021 erstmalig zugelassene Pkw gilt: 2 Euro je angefangene 100 Kubikzentimeter Hubraum bei Ottomotoren, zuzüglich ein CO₂-Aufschlag für Emissionen über 95 g/km nach gestaffelten Sätzen.
Beim Ferrari 296 GTB mit 2.992 cm³ Hubraum und 201 g/km WLTP ergibt sich grob: 60 Euro Hubraumanteil plus rund 590 Euro CO₂-Anteil – zusammen etwa 650 Euro pro Jahr. Ein älterer Ferrari 458 Italia mit 4.499 cm³ und Erstzulassung vor 2021 fällt unter die Regelung ab Juli 2009: 2 Euro je 100 cm³ plus 2 Euro je Gramm CO₂ über der jeweiligen Grenze – bei 307 g/km NEDC-Werten sind das schnell über 800 Euro jährlich. Der Kfz-Steuer-Rechner des Bundesfinanzministeriums liefert eine erste Orientierung; maßgeblich ist immer der Steuerbescheid des zuständigen Hauptzollamts.
Versicherung: Der größte Fixkostenblock nach dem Kauf
Standardversicherer lehnen Ferrari-Modelle häufig ab oder verlangen extreme Aufschläge. Spezialisierte Anbieter für Premium-Fahrzeuge kalkulieren individuell nach Garage, Fahrerkreis und vereinbarter Kilometerleistung. Für einen Ferrari 296 GTB im Wert von rund 340.000 Euro, All-Risk-Vollkasko mit 2.500 Euro Selbstbeteiligung, bis 5.000 Kilometer pro Jahr und Abstellung in einer verschlossenen Tiefgarage liegen Jahresprämien typischerweise zwischen 2.900 und 3.200 Euro – Richtwerte aus der Praxis, keine verbindlichen Angebote.
Bei gebrauchten Modellen unter 100.000 Euro sinkt die Prämie, steigt aber proportional zum Risiko: Rost an Trägerteilen, undichte Motorsteuergeräte oder ein teurer Kupplungswechsel beim F430 sind keine Seltenheit. Wer ohne Vollkasko fährt, spart kurzfristig – trägt im Totalschadenfall aber das volle Restwertrisiko.
Wartung, Reifen und HU: Was Ferrari-Werkstätten verlangen
Ferrari empfiehlt Inspektionen jährlich oder alle 20.000 Kilometer – je nachdem, was zuerst eintritt. Eine Standardwartung kostet je nach Modell 1.500 bis 3.000 Euro; größere Intervalle mit Zahnriemen, Kupplung oder Bremsen können fünfstellig werden. Reifen für 20-Zoll-Felgen liegen bei 300 bis 500 Euro pro Stück, ein Satz mit Montage schnell über 2.000 Euro.
Die Hauptuntersuchung (HU) ist für alle Ferrari gleich geregelt wie für jeden anderen Pkw: Erst nach drei Jahren, danach alle zwei Jahre. Bremsen, Licht und Abgasanlage müssen den Vorgaben entsprechen – bei tiefergelegten oder lauten Sportwagen schauen Prüfer genauer hin. Wer mehrere Fahrzeuge besitzt, verliert leicht den Überblick über HU-Termine und Serviceintervalle.
Monatsbudget: Was ein Straßen-Ferrari realistisch verschlingt
Für einen Ferrari 296 GTB mit 5.000 Kilometern pro Jahr, Tiefgarage und vorsichtiger Fahrweise ergibt sich grob folgendes Jahresbudget:
- Kraftstoff (14 l/100 km, Super E10 à 2,30 Euro): ca. 1.610 Euro
- Versicherung (Vollkasko, Spezialtarif): ca. 3.000 Euro
- KFZ-Steuer nach KraftStG: ca. 650 Euro
- Wartung und Verschleiß (Richtwert): ca. 2.000 Euro
- Reifen (Anteil pro Jahr): ca. 800 Euro
Das sind rund 8.060 Euro im Jahr – etwa 670 Euro im Monat, ohne Kaufpreis, Finanzierungszinsen, Wertverlust oder ungeplante Reparaturen. Wer einen günstigeren Gebrauchten fährt, zahlt weniger Versicherung und Steuer, dafür oft mehr in der Werkstatt.
Wer parallel den Alltagswagen und den Ferrari betreibt, kann in CarDiary Tankbelege, Werkstattrechnungen und HU-Fristen für beide Fahrzeuge getrennt festhalten und so sehen, welcher Anteil des Budgets wirklich auf das rote Coupé entfällt.
Gebrauchtkauf: Worauf deutsche Käufer achten sollten
Ein Ferrari aus erster Hand mit lückenloser Scuderia-Historie ist die sicherste, seltenste Option. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt dominieren Importe aus Italien, Großbritannien oder den USA – oft günstiger im Einkauf, aber mit Risiken bei Rust, Unfallreparaturen oder Tuning. Ein unabhängiger Gutachter kostet 500 bis 1.000 Euro und kann teure Fehlkäufe verhindern.
Beim Import aus Nicht-EU-Ländern kommen Einfuhrumsatzsteuer und Zoll hinzu. Innerhalb der EU entfällt die Einfuhrsteuer, aber die Ummeldung in Deutschland löst KFZ-Steuer aus. Der Zoll- und steuerliche Ablauf ist im Einzelfall unterschiedlich – bei Unsicherheit lohnt sich professionelle Beratung.
Ferrari als Firmenwagen: Steuerliche Sonderfälle
Ein Ferrari als Firmenwagen ist steuerlich möglich, aber selten sinnvoll. Die 1-Prozent-Regelung oder Fahrtenbuchmethode nach § 6 EStG führt bei einem Listenpreis von 320.000 Euro zu einem geldwerten Vorteil von 3.200 Euro pro Monat – unabhängig davon, ob das Auto privat oder dienstlich genutzt wird. Finanztip weist regelmäßig darauf hin, dass teure Firmenwagen den geldwerten Vorteil oft übersteigen. Für die meisten Ferrari-Besitzer bleibt das Auto deshalb ein privater Kauf – mit allen laufenden Kosten aus versteuertem Einkommen.
Monza bleibt Emotion – der Alltag bleibt Rechnung
Die Schumacher-Ehrung in Monza 2026 erinnerte daran, warum Ferrari mehr ist als ein Autohersteller. Der F310, die Sonderlackierung am SF-26 und die Präsenz der Schumacher-Familie am Streckenrand haben Millionen Fans erreicht. Auf deutschen Landstraßen gilt aber dasselbe wie für jeden anderen Pkw: Sprit kostet Geld, Versicherer kalkulieren streng, und die HU kommt pünktlich. Wer die Leidenschaft mit offenen Augen plant, kann den Traum genießen – ohne dass die Nebenkosten überraschen.