In der fünften und letzten Staffel von Babylon Berlin spielt das Berlin des Jahres 1933 eine zentrale Rolle – und auf den Straßen zwischen Alexanderplatz, Regierungsviertel und Hafenkulissen bewegen sich dutzende historische Automobile. Die Produktion setzt dabei auf echte Fahrzeuge aus den späten 1920er- und frühen 1930er-Jahren, die von Spezialfirmen wie film-autos.com für die Dreharbeiten bereitgestellt und patiniert werden. Wer die Serie sieht und sich fragt, welche Modelle dort fahren und was vergleichbare Fahrzeuge heute in Deutschland kosten, findet hier die Antworten – ohne Serienkritik, sondern mit Blick auf Technik, Anschaffung und laufende Ausgaben.
Welche Autos in Babylon Berlin auftauchen
Die Fahrzeugflotte der Serie deckt das gesamte Spektrum der Weimarer Republik ab: vom einfachen Mittelklassewagen bis zur Repräsentationslimousine. Laut IMCDb und Angaben der historischen Fahrzeugsammlung der AUDI AG (Vorgängermarken Horch und Wanderer) gehören zu den wiederkehrenden Typen unter anderem der Ford Model A (1928–1931), der Mercedes-Benz Stuttgart 200, der Adler Standard 6S, der Wanderer W10/W11, der Horch 350 als Pullman-Limousine sowie der Packard Six und verschiedene Citroën C4/C6. In der fünften Staffel, die im Januar 1933 beginnt und die Wochen bis zur Reichstagswahl am 5. März 1933 nachzeichnet, prägen diese Fahrzeuge das Straßenbild genauso wie Uniformen, Plakate und die wachsende politische Spannung.
Für die Dreharbeiten zwischen November 2024 und Februar 2025 wurden neben Berlin auch Köln, Hamburg und weitere Standorte genutzt. Die Fahrzeuge sind keine CGI-Requisiten, sondern fahren tatsächlich durch die Kulissen – was bei Nachtdrehs und engen Altstadtstraßen hohe Anforderungen an Zuverlässigkeit und Wartung stellt, auch wenn das für Zuschauer unsichtbar bleibt.
Anschaffung: Marktpreise für die Serien-Vorbilder
Wer ein echtes Vorbild aus Babylon Berlin kaufen möchte, braucht je nach Modell und Zustand ein sehr unterschiedliches Budget:
- Ford Model A (1928–1931): Der am häufigsten gezeigte Typ ist auf dem deutschen Markt relativ erschwinglich. Angebote auf Kleinanzeigen und bei Händlern liegen häufig zwischen 15.000 und 27.000 Euro, gut restaurierte Limousinen mit H-Kennzeichen kosten eher 25.000 bis 36.000 Euro.
- Mercedes-Benz Stuttgart 200 / Adler Standard 6S: Deutsche Mittelklasse der Epoche, heute selten. Realistische Preise beginnen bei 30.000 Euro und steigen bei dokumentierter Historie deutlich.
- Wanderer W10/W11: Als Teil der Auto-Union-Tradition begehrt unter Sammlern. Pullman-Landaulets aus der Audi-Sammlung illustrieren den Stil der Serie; vergleichbare Fahrzeuge am Markt kosten oft 40.000 bis 80.000 Euro und mehr.
- Horch 350 / Horch 780: Die Luxuslimousinen der Nyssen-Milieu-Szenen sind die teuersten Vorbilder. Exemplare in Sammlerqualität liegen schnell im sechsstelligen Bereich.
Hinzu kommen Einmalkosten für Begutachtung, Transport und gegebenenfalls Restaurierung. Ein H-Gutachten nach § 23 StVZO kostet je nach Sachverständigenorganisation typischerweise mehrere hundert Euro – Voraussetzung für die Oldtimer-Zulassung.
Laufende Kosten: Steuer, Versicherung, Sprit und HU
Kfz-Steuer mit H-Kennzeichen
Für Oldtimer mit H-Kennzeichen gilt nach § 9 Abs. 4 KraftStG eine pauschale Jahressteuer von 191,73 Euro (Krafträder: 46,02 Euro) – unabhängig vom Hubraum. Das ist deutlich günstiger als die reguläre KraftStG-Berechnung für einen Vorkriegs-Benziner mit 3,3 Litern Hubraum. Voraussetzung: Das Fahrzeug muss mindestens 30 Jahre alt sein, weitgehend im Originalzustand und durch ein Sachverständigengutachten als historisches Fahrzeug anerkannt sein (§ 9 KraftStG). Finanztip erläutert die Voraussetzungen für das H-Kennzeichen verständlich; maßgeblich bleiben aber FZV und StVZO.
Zur groben Orientierung eignet sich auch der CarDiary Kfz-Steuer-Rechner – für Oldtimer mit H-Kennzeichen ist der Pauschalbetrag jedoch fest gesetzlich geregelt.
Kraftstoff: deutlich mehr als beim modernen Pkw
Der Ford Model A verbraucht laut technischen Quellen typischerweise 12 bis 19 Liter Super pro 100 Kilometer. Bei einem aktuellen Spritpreis von rund 1,70 Euro pro Liter Super und einer Jahresfahrleistung von 3.000 Kilometern (realistisch für einen gelegentlich genutzten Oldtimer) entstehen allein 600 bis 970 Euro Kraftstoffkosten pro Jahr. Wer 8.000 Kilometer fährt, landet eher bei 1.600 bis 2.600 Euro.
Viele Vorkriegsmotoren vertragen modernes E10-Problematik: Manche Halter tanken Super ohne Ethanol oder setzen Additive ein – das kann die Literpreise weiter erhöhen. Bei Horch und Wanderer mit Sechszylindermotoren steigen Verbrauch und Wartungsbedarf entsprechend.
Versicherung und HU
Oldtimer-Versicherungen mit Kilometerbegrenzung (oft 2.000 bis 5.000 km/Jahr) liegen häufig zwischen 150 und 400 Euro jährlich – abhängig von Wert, Region und Schadenfreiheitsklasse. Die Hauptuntersuchung (HU) ist für H-Kennzeichen im Zweijahrestakt vorgesehen; das Oldtimer-Gutachten nach § 23 StVZO ersetzt die HU nicht dauerhaft, sondern ergänzt sie. Termine lassen sich mit dem CarDiary HU-Fristen-Rechner im Blick behalten.
Wartung und Ersatzteile
Bei einem Ford Model A sind Ersatzteile dank aktiver Clubszene noch verfügbar; dennoch sollten Halter monatlich 50 bis 150 Euro als Werkstattsrücklage einplanen. Bei Horch, Wanderer oder Packard können einzelne Reparaturen schnell vierstellig werden, weil Spezialwerkstätten und seltene Teile den Stundensatz treiben.
Filmflotte versus Alltagsbetrieb
Die Fahrzeuge in Babylon Berlin werden professionell transportiert, gewartet und zwischen Drehtagen geschützt gelagert – ein Betriebsmodell, das sich mit privatem Oldtimer-Besitz nicht vergleichen lässt. Wer von der Serie inspiriert ein Stück 1930er-Mobilität erleben will, sollte neben dem Kaufpreis vor allem Sprit, Werkstatt, Einlagerung und Versicherung kalkulieren. Ein Ford Model A als Einstieg kostet im Jahr mit moderatem Fahrplan und H-Kennzeichen grob 1.000 bis 1.800 Euro laufend; ein Horch oder Wanderer in Concours-Zustand liegt eher im fünfstelligen Unterhaltsbereich.
Wer neben dem Alltags-Pkw noch einen Oldtimer führt, kann HU-Termine, Versicherungsfristen und Werkstattrechnungen in CarDiary für mehrere Fahrzeuge parallel dokumentieren – so bleibt auch beim zweiten Kennzeichen der Überblick über Fristen und Kosten erhalten.