Wer einen Tiguan, Touran, Golf Variant, Golf Sportsvan oder Caddy der Jahre 2013 bis 2024 fährt, hat in den vergangenen Tagen vermutlich schon vom großen Lenkungsrückruf im Volkswagen-Konzern gehört. Neu ist nicht das Risiko selbst – das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) warnt seit Längerem vor Korrosion an einer Befestigungsschraube der Lenkung –, sondern die Art, wie Werkstätten den Engpass bei Ersatzteilen auffangen. Laut Medienberichten auf Basis einer internen Werkstattinformation und einer Stellungnahme von Volkswagen müssen sich betroffene Halter in Deutschland teilweise auf zwei Termine einstellen: zuerst eine provisorische Sicherung, später der Tausch gegen die endgültige, korrosionsfestere Schraube.
Was das KBA zu dem Rückruf festhält
Im KBA-Rückrufregister findet sich für die VW-Modelle Tiguan, Touran, Caddy, Golf Variant und Golf Sportsvan die Referenz 17016R mit dem Herstellercode 48VS. Produziert wurden die potenziell betroffenen Fahrzeuge zwischen dem 24. September 2013 und dem 1. Juli 2024. In Deutschland geht es laut KBA-Daten um knapp 900 000 Fahrzeuge, weltweit um rund 2,16 Millionen. Hintergrund ist Streusalz und andere Umwelteinflüsse: Die Sechskantbundschraube an der Lenkung kann korrodieren; in Einzelfällen droht dann ein Lenkungsausfall. Hersteller und Behörde betonen, dass bislang keine Personen- oder Sachschäden gemeldet wurden – der Rückruf gilt dennoch als vorsorglich und soll nicht verschoben werden.
Warum manche Werkstätten zweimal ran müssen
Die Nachfrage nach der speziellen Ersatzschraube übersteigt kurzfristig die Liefermengen. Werkstätten sollen deshalb – so berichtet es unter anderem die Deutsche Presse-Agentur unter Bezug auf eine interne Mitteilung zur Ersatzteilversorgung – zunächst eine temporäre Lösung einbauen dürfen, bis die endgültige Schraube verfügbar ist. Ein VW-Sprecher nannte das laut dpa eine sinnvolle Vorgehensweise: Ein Fahrzeug mit festgestellter Korrosion oder offenem Rückrufauftrag soll nicht wieder auf die Straße, nur weil das Originalteil noch fehlt. Für Halter bedeutet das: Der erste Besuch behebt die akute Sicherheitslücke, ein zweiter Termin tauscht die endgültige Komponente nach, sobald das Lager nachzieht. Die reine Arbeitszeit für die Instandsetzung liegt laut Herstellerangaben im Bereich von etwa einer Stunde – verteilt sich aber auf zwei Kalendertermine, wenn die Teilelogistik hinterherhinkt.
Was Sie als Fahrerin oder Fahrer konkret tun sollten
Rückrufschreiben ernst nehmen. Prüfen Sie Fahrgestellnummer, Modell und Produktionszeitraum im Schreiben oder online über die Rückrufabfrage des Herstellers. Warten Sie nicht auf auffälliges Lenkverhalten – das Risiko ist präventiv gemeint.
Termin buchen und Nachtermin anfragen. Fragen Sie bei der Annahme ausdrücklich, ob eine Zweistufen-Reparatur geplant ist. Notieren Sie Werkstatt, Datum, eingebautes Teil und vereinbarten Folgetermin. Wer den ersten Werkstattbesuch und die Nachbuchung für die endgültige Schraube in CarDiary festhält, verliert den Überblick nicht, wenn zwischen provisorischer und finaler Reparatur Wochen liegen.
Fahrbereitschaft klären. Nach dem ersten Termin soll das Auto wieder sicher lenkbar sein; halten Sie die Werkstattbescheinigung bereit, falls Sie das Fahrzeug verkaufen oder verleihen.
Keine Eigenreparatur. Die Schraube ist kein Standard-Baumarktartikel; der Tausch gehört in eine Fachwerkstatt, damit Drehmoment und Dokumentation zum Rückruf passen.
Audi Q3 und Seat: gleiche Technik, andere Codes
Parallel läuft für den Audi Q3 (Produktion Oktober 2017 bis Mai 2024) der Rückruf 17014R mit Code 48LG; in Deutschland sind laut KBA gut 58 000 Fahrzeuge betroffen. Bei Seat Ateca und Tarraco ist ein eigener Eintrag (17017R) hinterlegt. Die Logik mit möglicher Zweitermin-Reparatur kann auch dort auftreten, wenn Ersatzteile knapp sind – fragen Sie deshalb unabhängig von der Marke nach dem Ablaufplan.
Was sich für den Alltag ändert – und was nicht
Der Rückruf ist kostenfrei; Mietwagen oder Fahrtkosten regeln die Garantie- und Rückrufbedingungen des Herstellers. Versicherung und HU-Termin bleiben unberührt, solange keine Mängel festgestellt werden. Wer beruflich viel im Winter auf gestreuten Straßen unterwegs ist, sollte zusätzlich auf ungewöhnliche Geräusche oder Spiel an der Lenkung achten und sofort die Werkstatt informieren – unabhängig vom Rückrufstatus. Halten Sie Kontaktdaten der VW-Rückrufhotline (0800 865 579 2436 laut KBA-Angaben) griffbereit, wenn Termine ausgebucht sind oder die Kommunikation zur Nachlieferung unklar bleibt.