Ein Range Extender ist kein klassischer Hybrid: Der Elektromotor treibt die Räder an, ein kleiner Verbrenner lädt unterwegs die Batterie nach – er koppelt sich nicht direkt ans Getriebe. Auf der IAA Mobility 2025 in München stand genau diese Technik wieder im Rampenlicht, als Politik und Zulieferer über Reichweite, Ladeinfrastruktur und die EU-Vorgaben für 2035 debattierten. Für Autofahrer in Deutschland geht es deshalb weniger um Messeflair als um eine nüchterne Frage: Lohnt sich ein Auto mit Range Extender finanziell gegenüber einem großen Akku oder einem Plug-in-Hybrid?
So funktioniert der Range Extender im Alltag
Im Normalfall fahren Sie elektrisch – oft 100 bis 200 Kilometer Reichweite, je nach Akkugröße. Erst wenn die Batterie zur Neige geht, startet der Generator-Motor und hält die Ladung auf einem Minimum, damit Sie weiterkommen. Bekannte Serienbeispiele waren der BMW i3 mit Range-Extender-Paket oder der Mazda MX-30 e-Skyactiv R-EV; beide zeigen das Muster: kleinerer Akku, dafür Sicherheit auf Langstrecken ohne stundenlange Ladestopps. In China sind Range-Extender-Fahrzeuge längst Massenmarkt – Hersteller wie Li Auto setzen dort millionenfach auf die Kombination aus überschaubarer Batterie und Benzin-Generator.
Was MAHLE auf der IAA 2025 vorgestellt hat
Der Zulieferer MAHLE präsentierte in München ein seriennahes Range-Extender-System mit 800-Volt-Architektur. Laut Unternehmensangaben soll der Verbrenner einen Wirkungsgrad von über 42 Prozent erreichen, der Hochvoltgenerator bis zu 97 Prozent – und die Gesamtreichweite im WLTP bis etwa 1.350 Kilometer reichen. Der Motor ist bewusst kompakt gebaut, damit er in bestehende E-Plattformen passt; Biokraftstoffe sind in der Entwicklung vorgesehen. MAHLE argumentiert, dass eine kleinere Batterie Kosten und Gewicht senkt und lange Fahrten ohne häufiges DC-Schnellladen möglich macht. Bundeskanzler Friedrich Merz und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche sahen sich auf der Messe unter anderem genau solche Lösungen an und plädierten für mehr Technologieoffenheit in der EU-Regulierung – ohne dass daraus schon morgen ein konkretes Modell im deutschen Handel wird.
Kaufpreis: kleiner Akku, extra Antrieb
Die Rechnung beim Neuwagen beginnt an der Batterie. Lithium-Ionen-Packs sind teuer; wer die Nettokapazität von 80 auf 55 Kilowattstunden reduziert, spart am Fahrzeugpreis oft mehrere tausend Euro – abhängig von Modell und Hersteller. Dafür kommen Kosten für den Range-Extender-Motor, Abgasanlage, Kraftstofftank, Kühlung und Steuergeräte hinzu. Am Ende liegt der Listenpreis häufig zwischen einem gut ausgestatteten Elektroauto mit großem Akku und einem Plug-in-Hybrid vergleichbarer Größe. Entscheidend ist die Nutzung: Wer täglich 40 Kilometer pendelt und nur zweimal im Jahr in den Süden fährt, zahlt für Generator-Hardware, die er selten braucht.
Laufende Kosten: Strom, Sprit, Wartung
Elektrische Kilometer sind in Deutschland meist günstiger als Benzinkilometer, besonders mit Zuhause-Laden zum Nachtstromtarif. Sobald der Range Extender läuft, gelten die bekannten Spritpreise – aktuell oft zwischen 1,60 und 1,80 Euro pro Liter Super E10 an der Autobahn, regional darunter oder darüber. Ein kompakter Generator mit rund 30 bis 50 Kilowatt Leistung arbeitet in einem effizienten Drehzahlbereich; realistisch liegen viele älteren REx-Systeme im Generatorbetrieb bei etwa 5,5 bis 7,5 Litern pro 100 Kilometer, zusätzlich zu den zuvor verbrauchten Kilowattstunden aus dem Netz. Wer 12.000 Kilometer im Jahr fährt und ein Drittel davon mit laufendem Generator absolviert, rechnet für diese 4.000 Kilometer grob mit 250 bis 350 Euro Kraftstoff – plus Strom für die restlichen Strecken. Wartung umfasst Ölwechsel und Zündkerzen am Mini-Motor, Filter und weiterhin Bremsen, Reifen und Inspektion am E-Antrieb. Die gesetzliche HU bleibt unverändert; Fristen lassen sich mit dem HU-Fristen-Rechner von CarDiary im Blick behalten.
Steuer und Firmenwagen
Ob ein Range-Extender-Fahrzeug wie ein reines Elektroauto besteuert wird, hängt von der Zulassungsklasse und den technischen Kriterien ab – Pkw mit extern ladbarer Traktionsbatterie und elektrischem Antrieb können unter bestimmten Voraussetzungen von der Kfz-Steuerbefreiung für Elektrofahrzeuge profitieren, solange die gesetzlichen Bedingungen nach dem KraftStG erfüllt sind. Details zur konkreten Höhe oder Befristung sollten Sie dem Gesetzestext oder dem Finanzamt entnehmen; zur Orientierung hilft der Kfz-Steuer-Rechner auf CarDiary. Bei Dienstwagen greifen die bekannten Regeln zur geldwerten Vorteilsbesteuerung; ob der Wagen als Elektro- oder Hybridfahrzeug eingestuft wird, beeinflusst die 0,25-, 0,5- oder 1-Prozent-Regelung nach EStG – hier lohnt der Abgleich mit dem Firmenwagen-Rechner, sobald ein Modell feststeht.
Range Extender, Plug-in-Hybrid oder großer Akku?
Plug-in-Hybride kombinieren oft größere Verbrenner mit kurzer E-Reichweite; sie eignen sich, wenn Sie regelmäßig laden und gelegentlich einen Langstrecken-Trip ohne Ladepause fahren. Ein Range Extender ist konsequent elektrisch gefahren, der Verbrenner ist nur Range-Versicherung. Ein großer Akku ohne Generator vermeidet dagegen jede Tankstelle, verlangt aber Geduld an der Schnellladesäule und einen höheren Anschaffungspreis. Für Vielfahrer auf der Autobahn kann der Range Extender Zeit sparen; für Stadtpendler mit Wallbox ist er technische und finanzielle Ballast.
Was 2025 aus den Neuzulassungen folgt
Das Kraftfahrt-Bundesamt meldete für September 2025 stark wachsende Plug-in-Hybrid-Zulassungen und weiter steigende Elektro-Pkw-Anteile. Range Extender als eigene Kategorie tauchen in der Statistik kaum auf – die Technik ist in Europa noch Nische. Die IAA-Debatte zeigt aber, dass Hersteller und Zulieferer sie als Brückenlösung sehen, falls die EU-Klimaziele für Pkw ab 2035 streng emissionsfreie Neuwagen vorsehen und die Ladeinfrastruktur auf dem Land hinterherhinkt. Wer heute ein Auto kauft, sollte deshalb nicht auf ein hypothetisches MAHLE-System warten, sondern den eigenen Fahrplan gegen die TCO rechnen: Jahreskilometer, Anteil Autobahn, Zugang zu Wallbox und DC-Lader, geplante Haltedauer.
Praxis-Tipp für die Kostenkontrolle
Mischt ein Fahrzeug Strom- und Benzinphasen, verschwimmt der Verbrauch schnell in Schätzungen – gerade dann, wenn der Generator nur auf Urlaubsfahrten läuft. In CarDiary lassen sich Tankstopps und Ladekosten am gleichen Fahrzeug festhalten, sodass Sie Monate später noch sehen, wie viel Kilometer rein elektrisch waren und was der Generator-Zusatz wirklich gekostet hat.
Quellen und weiterführende Informationen: tagesschau.de zur IAA 2025, MAHLE Pressemitteilung IAA Mobility 2025, KBA Neuzulassungen September 2025.